DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Strict//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd"> Culture Club: Kinojahr 2006

Saturday, December 23, 2006

Kinojahr 2006



Das Jahr ist schon wieder fast an seinem Ende angelangt, und der Weihnachtsmann klopft an der Tür (sollte er zumindest). Die Zeit für die besten Wünsche an alle, die hier ab und zu mal vorbei surfen, und für meine traditionelle Kinobilanz. Wie sie bei mir vor einem Jahr ausgesehen hat, kann man sich hier vergegenwärtigen.

Und diesmal bin ich zu folgenden Ergebnissen gekommen (die Texte zu einzelnen Filmen, die ich ggf. verlinke, sind von mir):

Die besten Filme des Jahres

"Marie Antoinette" - F.LM-Kritik

Das Bezaubernde an dem Film ist nicht so sehr seine großzügige Ausstattung, sondern dass er es schafft, das große Kinoerblins zu liefern und sich gleichzeitig dem konventionellen Erzählen mit all den üblichen (moralischen oder psychologischen) Pointen zu verweigern.

"Dein Herz in meinem Hirn" - Blog-Eintrag

Dieser Film lief, glaube ich, nicht im normalen Verleih. Ich habe ihn während eines (ausgefallenen) Vortragsabends mit dem Regisseur Rosa von Praunheim im Museum Ludwig gesehen. Obwohl der Film seiner Ästhetik nach eher in die exzentrische Experimentalecke gehört, entfaltet er, beinah unerwartet, solche metaphorische Tiefe, dass das Skandalöse des Kannibalismusfalls, von dem der Film handelt, schließlich völlig in den Hintergrund tritt, um den allgemeinen Problemen der menschlichen Existenz Platz zu machen.

Die ungewöhnlichsten Filme des Jahres

"Caché" - Blog-Eintrag

Ich habe, ehrlich gesagt, noch nie einen uninteressanten Haneke gesehen. "Caché" könnte auch unter den absolut besten Filmen des Jahres stehen, wenn nicht die diesmal etwas aufdringlich geratene moralische Botschaft.

"Last Days" - Ausführliche Kritik in der neuen Printausgabe von "Schnitt"

Wahrscheinlich der ungewöhnlichste und sperrigste Film, der es in der letzten Zeit auf die großen Kinoleinwände schafft. Die Musik von Kurt Cobain, durch dessen Ableben der Film inspiriert wurde, war da schon ein Stück zugänglicher. Nichtsdestotrotz war ich von dem Film (abgesehen von dem ein bisschen zu weit ins Metaphysische ausbrechenden Finale) begeistert.

"Borat"

Die Frage "Wie hast du’s mit Borat?" ist in den letzten Kinomonaten fast zu einer neuen Gretchenfrage geworden. Ich persönlich schätze daran nicht so sehr die unbeschwerte Unsinn-Komödie, sondern die bitterböse Satire.

"Brokeback Mountain"

Zwei absolut männliche Cowboys können der Anziehungskraft, die sie aufeinander ausüben, nicht widerstehen. Wie konventionell diese Romanze auch erzählt sein mag, unterläuft der Film durch die Tatsache der Homosexualität ihrer Protagonisten eben diejenigen traditionellen Erzähl- und Denkmuster, die er formal scheinbar bestätigt.

Best of Mainstream

"Der letzte Zug" - F.LM-Kritik

Als Holocaust-Drama nicht so überzeugend. Dafür aber spannender Katastrophenfilm.

"Candy"

Drugs&Art-Film, der genug überraschende Wendungen hat, um nicht in Stereotypen zu versinken.

Best of Comedy

"Scoop"

Die Story ist Nebensache. Aber der lebensbejahende Allen-Humor (auch wenn ein Teil des Films im Jenseits spielt) tut es!

"Mein Führer"

Helge Schneider als Hitler - das sorgt zunächst Mal für Skepsis. Aber: Der Film schlägt überraschenderweise tatsächlich viel sanftere und differenzierteren Töne, als es der berühmte Komiker normalerweise im Alleingang tut. Leider sind die Reflexionen über die deutsche und Weltgeschichte nicht besonders originell geraten. Andererseits: wenn man etwas tiefer in diese Problematik eintauchen würde, hätten wir am Ende vermutlich nicht mehr so viel zu lachen.

Die besten Filme aus Deutschland

"Whole Train"

Es ist schwer zu beurteilen, wie realistisch die Graffiti-Szene in diesem Film abgebildet ist. Jedenfalls schafft er, uns eine Vorstellung von dem Leben zu vermitteln, in dem jeder Kunstakt - nicht nur ästhetisch, sondern auch rechtlich gesehen - eine Grenzüberschreitung ist.

"Sehnsucht" - F.LM-Kritik

Dokumentarischer Erzählstil und romantische Überhöhung - "Sehnsucht" kombiniert das scheinbar Unkombinierbare. Das Ergebnis ist faszinierend.

"Sommer'04" - Schnitt-Kritik

Rohmer meets Haneke. Mehr ist nicht zu sagen. :)

Best of Horror

"Gruesome" - Blog-Eintrag

Die ewige Wiederkehr des Gleichen ist eigentlich eine etwas unterschätzte Horrorvision. In diesem Film wird ihr zum Besten gegeben.

"The Hills Have Eyes"

Existenzkampf, gesteigert zu einem fulminanten Blutbad, das fast alle Alpträume überbietet.

Bester Kinderfilm

"Kiriku und die wilden Tiere"

Trotz der im Vergleich zum Hollywood unspektakulären Tricktechnik irgendwie zauberhaft.

Enttäuschungen des Jahres

"Die Erde von oben"

Die Fotos von Yann Arthus-Bertrand finde ich eigentlich faszinierend. Doch in diesem Film wurden sie meiner Meinung nach recht ungünstig in Szene gesetzt.

"Science of Sleep"

Ich habe etwas Abgefahrenes mit Tiefgang erwartet. Das Spiel mit Realitätsebenen war aber irgendwie nicht ganz so faszinierend, dass ich mich an ihm richtig erfreuen könnte, und die ästhetisch-philosophische Botschaft ist bei mir im Endeffekt nicht angekommen.

"Breakfast on Pluto"

Da ich die Filme, die geschlechtliche Identität in Frage stellen, immer mit großem Interesse verfolge, habe ich von "Breakfast on Pluto" auch eine intensivere Auseinandersetzung mit diesem Thema erwartet.

"Mein verschärftes Wochenende"

Die Erwartungen an diesen Film waren zwar nicht ganz so hoch, doch dass diese Komödie (trotz der Unmengen an fäkalen Gags) vollkommen unkomisch wird, konnte ich mir auch nicht vorstellen...

"Best of Retro"

"Dogville"

Ich freue mich, dass ich in diesem Jahr endlich geschafft habe, mir dieses Werk anzusehen. Einer der seltenen Filme, bei dem der Zuschauer nicht nur emotional herausgefordert wird, sondern sich am Ende auch der gleichen moralischen Beurteilung unterziehen muss, wie die Filmfiguren...

"Die Polizistin"

Und noch ein seinerzeit verpasstes Meisterwerk. Die Polizistin, die es mit einem Straftäter treibt, mag in einem Hochglanz-Thriller a la Hollywood keinen Tabubruch darstellen. In diesem Film jedoch, der eine fast dokumentarische Erzählweise anstrebt, entfaltet diese Konstellation ihr beinahe subversives Potential und wird zur Metapher der Grenzen der strafenden Staatsgewalt.

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